Hochzeitsfotograf - Was Ihr für Ihn tun könnt / by Nick Schreger

Dass eine Hochzeit ein kompliziertes logistisches Unterfangen ist, daran besteht kein Zweifel. Aber nicht nur die Vorbereitungen verlangen nach einem durchgeplanten Konzept: ist der Tag der Tage erst einmal gekommen, entwickelt der ursprünglich oft minutiös durchgeplante Ablauf eine beängstigende und zugleich faszinierende Eigendynamik - wo viele Individualisten aufeinandertreffen, sind Improvisationskunst und Nerven aus Stahl gefragt - auch beim Hochzeitsfotografen. Dieser Blogbeitrag soll Euch ein paar nützliche Tipps geben, mit denen Ihr Eurem Hochzeitsfotografen vor Ort die Arbeit erheblich erleichtern könnt - und das ohne dass Ihr selber aktiv werden müsst. Was es bei der Auswahl eines Hochzeitsfotografen zu beachten gibt, darüber schrieb ich bereits in einem älteren Beitrag, den ihr hier findet.

Zeit ist Gold

Gewährt Eurem Hochzeitsfotografen früh Zugang zum Zeremonie-Ort. Ist es eine Kirche, so sorgt ein Profi bereits selber im Vorfeld dafür, sich mit den örtlichen Begebenheiten vertraut zu machen. Wenn möglich, fahre ich ein paar Tage vor dem Termin zur gleichen Uhrzeit zur Kirche, wie die Zeremonie stattfinden wird. Ich schaue mir die Lichtverhältnisse an und plane bereits die Blickwinkel und möglichen Perspektiven - so gibt es keine bösen Überraschungen. Ist anschliessend eine Party geplant, so lasst den Fotografen ebenfalls früh in die Location (sofern es eine Pause zwischen Zeremonie und Party gibt).

Ablaufplan

Dompteur, Animateur, Kriegsberichterstatter, Seelsorger - die Rollen des Hochzeitsfotografen sind vielfältig.

Dompteur, Animateur, Kriegsberichterstatter, Seelsorger - die Rollen des Hochzeitsfotografen sind vielfältig.

Auf einer Hochzeit gibt es immer Programmpunkte mit Überraschungen, Reden, Spielen etc. - die Planung übernehmen in unseren Breitengraden meist die Trauzeugen. Sorgt dafür, dass der Hochzeitsfotograf diesen Zeitplan bekommt, dann ist er vorbereitet und muss nicht erst durch den ganzen Saal rennen und Objektive wechseln, weil plötzlich etwas besonderes passiert. Ein Beispiel: Wenn die Hochzeitstorte mit brennenden Wunderkerzen reingetragen wird bleiben oft nicht mehr als 30 Sekunden, um diese Szene einzufangen. Der Fotograf muss dafür eventuell auf ein lichtstarkes Objektiv wechseln, da so eine stimmungsvolle Szene nicht mit Blitz fotografiert werden sollte - es ist also wichtig, vorbereitet zu sein.

Mittendrin statt nur dabei

Mir sind viele Fälle bekannt, in denen der Hochzeitsfotograf keinen zugewiesenen Tischplatz hatte und wie das übliche Personal im Gang vor der Küche hastig ein Sandwich verschlingen musste, um bloss nichts zu verpassen - als "Dienstleister" steht ihm ja auch nicht mehr zu, oder? Dabei hat es immense Vorteile, wenn der Fotograf mittendrin statt nur dabei ist. Wo passieren die Interessanten Dinge auf einer Hochzeitsfeier? Beim Brautpaar. Und so gehört der Fotograf entweder an den Tisch des Brautpaares oder unmittelbar daneben - nicht, weil er oder sie wichtig ist, sondern weil er oder sie dann stets genau dort ist, wo es wichtig ist. Spontane Gratulationen, Überraschungen, Toasts - all das lässt sich viel besser aus unmittelbarer Nähe festhalten.

Auf den Punkt gebracht

Besonders bei Hochzeiten mit vielen Gästen ist es mitunter schwierig zu wissen, wer wichtig und wer sehr wichtig ist. Wer gehört zur engen Familie, wer zu den besten Kollegen? Ein einfacher Trick ist hier sehr hilfreich. Für gewöhnlich tragen Hochzeitsgäste Namensschilder, die oft mit verschiedenen Verzierungen versehen sind. Niemandem würde auffallen, wenn einige dieser Namensschilder zusätzlich einen roten Punkt oder ein ähnliches Erkennungsmerkmal tragen würden. Niemandem ausser dem Fotografen, der dann weiss: diese Person ist besonders wichtig. Dies ist zum Beispiel dann von Bedeutung, wenn Gruppenfotos gemacht werden.

Ansprechpartner

Sorgt dafür, dass Euer Hochzeitsfotograf vor Ort einen dedizierten Ansprechpartner unter den Gästen hat, der darüber informiert ist und den nach Möglichkeit alle Gäste kennen und respektieren. Diese Person spielt eine wichtige Rolle, wann immer offizielle Gruppenfotos gemacht werden sollen. Es ist mitunter sehr schwierig, wenn der Fotograf als "Fremdkörper" und Aussenstehender Gäste zusammensuchen muss, um bestimmte, vom Brautpaar gewünschte Gruppenfotos zu machen (sollte während des Vorgesprächs festgelegt werden). Vielleicht ist es dazu nötig, sie aus einem angeregten Gespräch zu holen, oder sie sind gerade schlicht unauffindbar - wie gut, wenn jemand Bescheid weiss und die "Herde" zusammentreiben kann.

Rücksicht & Respekt

Hochzeitsfotografie ist - wenn man es richtig und gewissenhaft macht - ein sehr anspruchsvoller und anstrengender Job - er bedeutet oft über 10 Stunden Konzentration und Ausdauer. Ein Hochzeitsfotograf muss stets Augen und Ohren auf Empfang haben, Momente sehen, bevor sie stattfinden und stets Handwerk und Kunst zu gleichen Teilen beherrschen. Man sieht es Fotos an, ob der Fotograf mit Leidenschaft und kreativer Energie am Werk war, oder einfach nur sein Pflichtprogramm abgespult hat. Unterstützt ihn dabei, indem ihr im das Gefühl gebt, seine Arbeit zu schätzen. Stellt ihn Euren Gästen vor, denn wenn sie ihn mögen werden sie sich vor seiner Kamera viel wohler fühlen. Wir wissen, dass uns nicht jeder lieben wird. Fotografie ist - sofern man mit Menschen arbeitet - zu einem grossen Teil Psychologie. Wir spüren, wenn sich jemand nicht gerne fotografieren lässt und nehmen Rücksicht darauf. Wenn es dennoch mal dazu kommt, dass der Fotograf gerade stört, im Weg steht, sich ungeschickt verhalten hat - er ist ein Mensch und versucht, sein bestes zu tun :)

Habt Ihr eigene Erfahrungen mit Hochzeitsfotografen sammeln können? Habe ich etwas vergessen? Waren diese Tipps hilfreich? Hinterlasst einen Kommentar und zögert nicht, mich bei Fragen zu kontaktieren.