Maternity-Shooting: wenn neues Leben entsteht / by Nick Schreger

Ich beobachte seit einigen Jahren einen beunruhigenden Trend nach dem immer mehr Menschen ihre Familienfotos ausschliesslich mit dem Smartphone machen. Dabei erliegen sie den trügerischen Verkaufsargumenten der Hersteller, nach denen die Bildqualität modernder Geräte angeblich auf dem Stand professioneller Kameras sei und, schlimmer noch, ein Smartphone oder Tablet das einzige und wichtigste Mittel sei, Fotos anzuschauen und mit anderen zu "teilen". Vorbei also die Zeiten, in denen ein Fotoalbum aus dem Schrank genommen oder ein Diaprojektor aufgestellt wurde. Und so erlebe ich dann auch immer wieder wie Menschen in einem Chaos von mehreren tausend Fotos auf dem Smartphone ein bestimmtes heraussuchen und nach einigen Minuten frustriert aufgeben, weil sie es unter tausenden Schnappschüssen, Selfies und anderen belanglosen Aufnahmen nicht wiederfinden. Es wird immer mehr geknipst und immer weniger fotografiert. Es gibt aber auch erfreuliche gegenläufige Bewegungen, und dazu gehört die steigende Nachfrage nach Maternity- oder Schwangerschafts-Shootings. 

Ein Zeitdokument von unschätzbarem Wert

Warum ein Schwangerschafts-Shooting?

Es gibt zwei wesentliche Gründe, warum man sich unbedingt zu einem solchen Shooting entscheiden sollte:

  1. Für das Kind
  2. Für sich selbst

Wann immer ich Fotos eines solchen Shootings nachbearbeite kann ich den Gedanken nicht verdrängen, wie gerne ich selber solche Fotos meiner Eltern oder meiner Mutter gehabt hätte. Ein schöneres Dokument über die liebevolle Freude der Eltern über die bevorstehende Geburt gibt es nicht. Man blickt sozusagen so weit in den eigenen Ursprung zurück wie es nur geht, und das mit der Gewissheit, das es den Eltern von grosser Bedeutung war das dieses Ereignis für das Kind festgehalten wurde. Wenn ihr euch also vielleicht nicht selber mit dem Gedanken anfreunden mögt, denkt an euer Kind. Eine Schwangerschaft ist besonders im späteren Verlauf manchmal mühsam und gehört vielleicht auch schon viel zu sehr zum Alltag, als dass man sie selber noch als etwas besonderes wahrnimmt. Die Faszination, die solche Fotos auf euer Kind ausüben wird, bleibt jedoch bestehen und diese Fotos werden zu einem seiner grössten Schätze.

Ihr solltet aber auch für euch selber diese Zeit bildlich dokumentieren, besonders dann, wenn es die erste Schwangerschaft ist. Viele schwangere Frauen - und auch die dazugehörigen Partner - führen Tagebuch und halten die vielen Veränderungen fest, die mit Körper und Geist einher gehen und die Persönlichkeit dauerhaft prägen werden. Gebt diesen Erinnerungen Bilder mit auf den Weg, als seien es die Illustrationen eurer ganz persönlichen Schwangerschafts-Geschichte. Ein einziges Foto kann eine Lawine an Erinnerungen lostreten, an einen Menschen, einen Tag oder einen Ort. 

Nicht mit dem Smartphone!

Damit wäre ich dann auch wieder an dem Punkt angelangt, an dem ich über Smartphone-Schnappschüsse lästern muss - wenngleich "ein" Foto noch immer besser ist als "kein" Foto, so sollte ein derart bedeutendes Motiv zumindest auch professionell festgehalten werden. Spätestens wenn man Fotos auf Leinwand drucken oder ein Fotobuch erstellen möchte, machen sich die derben Qualitätseinbussen der Smartphonekameras mit ihren im Vergleich zu "richtigen" Kameras winzigen Bildsensoren bemerkbar. Hersteller wie Apple werben mit grossen Plakaten im HB in Zürich und anderswo mit tollen Fotos und dem Schriftzug "Fotografiert mit einem iPhone 6S". Achtet mal auf das Kleingedruckte auf diesen Plakaten, dort steht nämlich "Aufnahme für den Grossflächendruck optimiert". Das bedeutet, dass dieses vermeintlich mit einem Smartphone geschossene Foto vor dem Druck durch ein aufwändiges Verfahren geschickt wurde, damit es in einer solchen Grösse überhaupt gedruckt werden kann. Hier dem Betrachter zu suggerieren, er könne ein solches Foto selber mit dem Smartphone machen, ist in meinen Augen Irreführung.

Es ist aufgrund von Sensorgrösse und Objektivbeschaffenheit technisch UNMÖGLICH, ein Foto mit einem Smartphone zu machen und dieses in hoher Qualität und in einer Grösse jenseits von A4 ausdrucken zu lassen. Smartphone-Kameras sind für Fotos ausgelegt, die am Smartphone betrachtet werden, Punkt.