Business-Headshots: Bewerbungsfotos Deluxe / by Nick Schreger

Das Gehirn ist sich in der Regel nach zwei Sekunden ziemlich sicher, ob es die Person auf einem Foto mag oder nicht. Zwei Sekunden, die vor allem dann entscheidend sind, wenn dieses eine Foto erst mal alles ist, was zum Beispiel auf einer Bewerbung oder Firmenseite von uns zu sehen ist. Sogar Facebook hat sich vor einigen Monaten dazu entschlossen, jedem Nutzer neben dem obligatorischen Profilbild bis zu 5 weitere Fotos zu ermöglichen, die man als "Lieblingsfotos" auch denjenigen zugänglich machen kann, mit denen man nicht "befreundet" ist. Es ist weitaus einfacher, einen Menschen anhand von 6 Fotos einzuschätzen, als wenn es lediglich ein einziges gibt - aber genau das ist häufig der Fall. Ganz neu schliesslich die Variante, an Stelle eines Profilbildes einen kurzen Videoclip hochzuladen - eigentlich erstaunlich, dass nicht viel mehr Nutzer davon Gebrauch machen.

Bei einer schriftlichen Bewerbung ist es natürlich nicht möglich, mehrere Fotos oder gar einen Videoclip mit einzureichen, und so setzt der Bewerber alles auf eine Karte bzw. auf ein einziges Foto - und dieses darf man nicht dem Zufall überlassen. Ein modernes Bewerbungsfoto ist, streng genommen, eine perfekte Inszenierung - und diese verdient eine Menge mehr Beachtung, als ihr die meisten Menschen noch immer geben. Ich kenne Leute, die sich mit dem Produktfoto eines Gebrauchten Notebooks zum Verkauf auf Ricardo oder eBay mehr Mühe geben als mit dem eigenen Bewerbungsfoto. 

Unbedingt zum Fotografen

Unter den absoluten No-Go's bei Bewerbungsfotos steht der Fotoautomat am Bahnhof an oberster Stelle, dicht gefolgt vom gut gemeinten Amateurfoto eines Kollegen. Diejenigen, die Ihre Berwebung als erste in die Finger bekommen, machen dies jeden Tag 5 Tage die Woche und haben sich im Laufe ihrer Karriere zu wahren Spezialisten entwickelt wenn es darum geht, Grundcharrakterzüge eines Menschen einzig anhand der optischen Aufmachung einer Bewerbung zu erkennen. Gehen Sie für ein Bewerbungsfoto unbedingt zu einem Fotografen, und suchen Sie sich unbedingt einen aus, der darin erfahren ist - sonst haben Sie am Ende perfekt belichtete Fotos mit tollen Farben, auf denen Ihr Gesicht nichtssagend und mit leerem Blick erzwungen in die Kamera lächelt.  

Klassisch mit Kontext

Ebenfalls tabu sind Fotos, die älter als ein halbes Jahr sind oder auf denen Sie - z.B. Aufgrund einer Frisur- oder Typenveränderung - nicht so aussehen, wie es dem aktuellen Stand entspricht. Ein Personaler will das Gefühl haben, dass Sie weder Mühe noch Kosten gescheut haben, bei seinem Unternehmen zu landen. Er oder sie soll das Foto sehen und sich in dem Moment wünschen, sie sässen ihm oder ihr gegenüber. Gliederung und optische Aufmachung müssen aufgeräumt und übersichtlich wirken - es darf keine "Arbeit" sein, Ihr Dossier zu lesen. Bedenken Sie, dass der Personaler während des lesens zwischendurch immer wieder mal ihr Foto anschauen wird. Nicht umsonst gibt es in einigen Ländern bereits den Vorstoss, dass Bewerbungen kein Foto mehr enthalten sollen oder gar dürfen - so bedeutend beeinflusst es das Gesamtbild, das Sie mit Ihrer Bewerbung hinterlassen.  

Wie mache ich's...und was ziehe ich an? 

Wenn Sie sich irgendwo als zukünftiger Mitarbeiter präsentieren, dann lernen Sie die Sprache des Unternehmens zu sprechen. Schauen Sie sich an, wie sich das Unternehmen gegenüber seinen Kunden präsentiert - die Internetseiten sind ein sehr wertvoller Helfer dabei. Meist finden sich irgendwo Fotos der Mitarbeiter oder des Kaders - orientieren Sie sich an diesen, wenn es um folgende Fragen geht:

  • Dresscode
  • Hintergrund (hell, dunkel, indoor, outdoor) 
  • Ausdruck (fröhlich lächelnd oder seriös) 

Ihr Fotograf sollte sie eigentlich nach solchen Beispielen fragen - nehmen sie auf jeden Fall solche Fotos auf ihrem Smartphone mit und zeigen Sie sie.

Bewerben Sie sich auf mehrere Stellen, dann lassen Sie entweder mehrere verschiedene Fotos machen oder - wenn es das Budget nicht erlaubt - entscheiden Sie sich für einen Look, der den Mittelweg geht. Vermeiden Sie in jedem Fall auffälligen Schmuck oder Uhren, es sei denn, sie bewerben sich in einer Branche in der so etwas hilfreich sein könnte. Sie werden eingestellt, um in erster Linie das Unternehmen zu präsentieren und nicht sich selbst.

Stehen Sie für Bewerbungsfotos vor der Kamera, so sollte der Fotograf darauf achten, sie als "nahhbare", vertrauenswürdige Persönlichkeit darzustellen. Nehmen Sie eine offene Haltung an und stellen Sie sich vor, Ihrem zukünftigen Chef gerade das erste Mal persönlich zu begegnen. Wie bereits oben geschrieben soll der Betrachter sich auf das bevorstehende Gespräch freuen und Interesse an Ihnen als Person bekommen. Schauen Sie in das Objektiv der Kamera hinein und nicht auf das Objektiv drauf und vermeiden Sie ein krampfhaftes, künstliches Lächeln. Ein guter Fotograf wird Ihnen eine natürliche Ausstrahlung entlocken können.

Facebook, LinkedIn, Xing nicht vergessen

Je nach Branche muss es kein langweiliger schwarzer oder weisser Hintergrund sein!

Je nach Branche muss es kein langweiliger schwarzer oder weisser Hintergrund sein!

Häufig werden Bewerbungen ohne Bild angefragt - das bedeutet jedoch keinesfalls, dass man keine Bilder braucht. In jedem Fall werden Bewerber gegoogelt. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, Ihre Social-Media-Profile nicht nur frei von Peinlichkeiten zu halten, sondern auch mit einem aktuellen Profilbild zu versehen. Für Business-Portale wie Xing oder LinkedIn nehmen Sie ein Foto, das Sie auch für eine aktuelle Bewerbung verwenden würden. Das Facebook-Profilbild darf leger sein, sollte aber kein Stirnrunzeln hervorrufen wenn es mit dem Foto Ihres Business-Profils verglichen wird. Man sollte auf beiden den gleichen Menschen erkennen können. Auf Facebook sollten alle 5 "Lieblingsbilder" diesem Schema entsprechen. Das Businessfoto gehört eher nicht dorthin.

Sie sehen, Bewerbungsfotos sind nicht "mal eben" gemacht und transportieren eine Menge Informationen - ob Sie das wollen, oder nicht. Die Kunst des Fotografen besteht darin, deren Inhalt zu bestimmen und Ihnen eine fotografische Eintrittskarte mit auf den Weg zu geben!